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Sichtbar /
unsichtbar
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Lorenzer Kirchenmusik,
im Jahr 2009 bietet der Innenraum der Lorenzkirche einen ungewohnten
Anblick. Nachdem bereits seit vergangenem Sommer der Hallenchor eingerüstet
und außen mit grünen Netzen verhängt wurde, ist nun auch das Innere
von den umfangreichen Baumaßnahmen im Zusammenhang mit der
Instandsetzung von Hallenchordach und Gewölbe betroffen. Monatelang
verhindern Gerüste und Abdeckplanen den freien Blick auf das Gewölbe
und die Ausstattung des Hallenchors: Altäre, Sakramentshaus und
Englischer Gruß werden über lange Zeit nicht oder nur eingeschränkt
sichtbar sein. Auch die Stephanus-Orgel ist während der Zeit der
Bauarbeiten nicht spielbar.
Angesichts dieser außergewöhnlichen Situation machen wir die Verhüllung
selbst zum Thema der Kirchenmusik im Jahr 2009: Unter der Überschrift
„sichtbar / unsichtbar“ fragen
wir nach der Bedeutung der sichtbaren Dinge für den Glauben. Wir
befassen uns mit der menschlichen Wahrnehmung in einer zunehmend
visuell geprägten Erlebniskultur und mit dem ausgeprägten Bedürfnis
des modernen Menschen nach griffiger und mit dem Verstand
nachvollziehbarer Darstellung der ihn umgebenden Dinge.
Als Ereignis rückt damit Christi Himmelfahrt ins Zentrum des Interesses,
ist hier doch das Entschwinden des Sicht- und Greifbaren das
eigentliche Thema.
Als Personen rücken der Heilige Thomas und der greise Simeon ins Blickfeld:
Thomas, der an den auferstandenen Christus erst glauben kann, als er
dessen Wunden sehen und berühren kann, Simeon, der erst nach dem
Anblick des Jesusknaben in der Lage ist, sein Leben in Frieden zu
beschließen.
Kontrapunkte zu den Zweifeln des „ungläubigen Thomas“ setzen zahlreiche
Vertonungen des Glaubensbekenntnisses, die den Zuhörer zum Nachdenken
und zu einer persönlichen Standortbestimmung im Spannungsverhältnis
von Zweifel und Glaubensgewissheit einladen sollen. Dazu gehört neben
dem „Credo“ (Nicänum) auch das „Te Deum“, der Ambrosianische
Lobgesang, den Martin Luther ausdrücklich als „Drittes
Glaubensbekenntnis“ verstand.
Eingebettet in diese Programmatik sind auch Werke der diesjährigen Jubilare
zu hören: Henry Purcell (350. Geburtstag), Georg Friedrich Händel
(250. Todestag), Joseph Haydn (200. Todestag), Felix Mendelssohn
Bartholdy (200. Geburtstag).
Ich freue mich über Ihr Interesse an unserem umfangreichen und vielfältigen
Angebot auch unter außergewöhnlichen Bedingungen. Willkommen in St.
Lorenz!
Matthias
Ank
Kirchenmusikdirektor und Lorenzkantor
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